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Margarethe Krieger

Durch Kunst „das Leid zum Singen bringen“ -
Ausstellung „Menschen“ von Margarethe Krieger in der FabrikGalerie Lauda bis Ende November

01.10.2009 - 30.11.2009

Lauda. In ihrer künstlerischen Arbeit geht es der Heidelberger Künstlerin Margarethe Krieger immer um den Menschen. Er steht im Mittelpunkt und füllt als Portrait oder mit kleinen Gruppen tausende von Blättern, von denen ein kleiner Ausschnitt ihres Schaffens der vergangenen 40 Jahre in der Ausstellung „Menschen“ der FabrikGalerie Lauda Dr. Wobser bis Ende November zu sehen ist. In einer kleinen Vernissage mit rund 40 Gästen sprach Dr. Gerhard Wobser über die wachsende Beliebtheit der FabrikGalerie als Forum für Künstler der Region und darüber hinaus, wie die aktuelle Ausstellung mit Werken von Margarethe Krieger, die von Dieter und Barbara Kerschkowsky (Lauda) angeregt und vorbereitet wurde. Für die wesentliche Hilfe beim Drucken der Holzschnitte mit seiner Kniehebel – Presse und bei der Hängung der Ausstellung dankte Dieter Kerschkowsky dem Vorsitzenden des Kunstkreises Lauda – Königshofen, Norbert Gleich, dem er einen der Holzschnitte überreichte.

Im Mittelpunkt also der Mensch: in Grenzsituationen, im Ausnahmezustand, der Mensch in Lebensphasen, die Entscheidungen fordern, der verfolgte, gedemütigte, geschundene Mensch, der Demut und Barmherzigkeit ebenso kennt wie Hochmut und Bosheit. Der große Ernst in den Bildern von Margarethe Krieger und die überwiegend abgründigen, dunklen und tragischen Facetten des dargestellten Menschen, kommt auch durch die von ihr bevorzugten Techniken: Holzschnitte in Schwarz – Weiß, Rohrfeder – und Kohlezeichnungen, frühe Radierungen. Entschlossen und kräftig, sicher und irgendwie radikal hat sie mit wenigen klaren Schnitten ihre ausdrucksstarken Menschenfiguren in groben Brettern umrissen. Für ihre Rohrfederzeichnungen auf zumeist großformatigen Büttenblättern verwendet sie zur Feder gespitztes Rohr aus stabilem Reet oder Bambus und Tusche.

Vor allem aber sind es die Themen ihrer Bilder, die sie beschäftigen, mit denen sie sich bis zur körperlichen und seelischen Erschöpfung auseinandersetzt, die den beschwörenden Ernst und die Traurigkeit ausmachen, die den Betrachter durch die Ausstellung begleiten. Wer sich aber auf die Bilder einlässt, sich ein wenig Zeit nimmt und erkennt, wie sich das Geflecht graphischer Linien zu einem Ausdruck formt, der seelische Befindlichkeiten klärt, die Ruhe eines Augenblicks oder seine Ruhelosigkeit deutlich macht, für den werden sie transparent und erscheinen plötzlich nicht mehr so dunkel und schwermütig, wie ein oberflächlicher Gang durch die Ausstellung vermitteln mag.

Die Portraits bedeutender Schauspieler zeigen nicht nur die Kunst Margarethe Kriegers, mit wenigen Strichen einen Charakterkopf zu zeichnen, sondern auch ihre enge menschliche Verbundenheit mit diesen Künstlern. Mit ihrer Neugier auf Menschen spürt sie auch deren Geheimnissen nach und hält sie im Bild fest. So in den Portraits des großen französischen Mimen Michel Simon, von denen mehr als fünfzig im Museum ihn La Ciotat in Südfrankreich zu sehen sind, in dem der dokumentarische Nachlass des Schauspielers aufbewahrt wird. Oder die Bilder des Bühnen – und Filmschauspielers Oskar Werner, dem bedeutenden Hamlet – Interpreten, mit dem die Künstlerin dreißig Jahre lang eine innige Freundschaft verband. In späteren Jahren begegnete sie dem alternden O.W. Fischer, dem sie in zahlreichen Bildern und in einem Buch mit seinen Gedichten ein Denkmal setzte. Auch von den Schauspielern Peter Passetti und Klaus Löwitsch existieren zahlreiche Portraits.

Das zweite große Thema ihrer Kunst sind ihre Interpretationen zu Werken der Weltliteratur: Shakespeares Hamlet, Goethes Faust, Cervantes Don Quichotte, Bert Brechts Dramen aber auch die Gedichte von Ana Simon oder ihre Hommage an die Dichter Bergengruen und Fechter. – Von besonderer Intensität ist ihre Auseinandersetzung mit biblischen Themen – „Der verlorene Sohn“, „Der barmherzige Samariter“ oder „Das Buch Ruth“ - und ungemein eindrucksvoll schließlich ihr Zyklus „Jüdische Passion“, mit dem sie die Schrecken des Holocaust verarbeitet.

Seit einem Schlaganfall vor drei Jahren ist Margarethe Krieger halbseitig gelähmt – eine Katastrophe für sie als Künstlerin. Doch hat sie mit großer Energie und mit ihrer linken Hand und dem Bleistift weit über hundert großartige Männer – und Frauenköpfe gezeichnet, die weicher, fast schwerelos wirken und auffällig anders sind, als alles vorher von ihr Geschaffene. Es scheint, dass sie mehr denn je aus tiefer gelegenen Wahrnehmungsbereichen schöpft, die ihren Blick, ihre Kunst, sanfter und heller machen. Ein Wort von Oskar Werner über sich und seine Arbeit: „Ich wollte nur eines, das Leid zum Singen bringen“, könnte auch die Kunst der Margarethe Krieger beschreiben.

Margarethe Krieger wurde 1936 in Heidelberg geboren. Sie studierte Kunst, Kunstgeschichte, Germanistik und Philosophie und lehrte am Gymnasium in Weinheim Kunsterziehung und Deutsch. Ihre Bilder waren und sind in zahlreichen Ausstellungen im In – und Ausland, und hier vor allem in der Schweiz und in Frankreich, zu sehen. Sie hat mehr als 30 Bücher illustriert und Preise für ihr künstlerisches Werk erhalten. In Lauda weilte sie oft als Kind und war vor rund 20 Jahren mit Bildern ihrer „Jüdischen Passion“ in der Dokumentation über „Jüdische Schicksale an Neckar und Tauber“ im Rathaus in Lauda vertreten. Die Ausstellung „Menschen“ ist im Oktober und November von Montag bis Freitag zu den Geschäftszeiten geöffnet.

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